Ausstellungen

Galerie Rolf Büttner

Galerie Rolf Büttner

Seit 2017 zeige ich aktuelle Arbeiten im eigenen Galerieraum. Für Besichtigungen empfiehlt es sich, einen Termin zu vereinbaren. Am besten per E-Mail.

Der Radioamateur

Ausstellung in der TURMGALERIE Augustusburg 25.3.-23.4. 2017

Der Radioamateur
Die Ausstellung reflektiert Phänomene, Gesten, Auswirkungen moderner Kommunikation mit autobiografischem Ansatz.

Die junge Generation kennt kein Leben ohne Kommunikationsgeräte. Zu dieser gehöre ich nicht. Ich bin 1968 geboren und stelle mir die Frage, wie die Telefonie in mein Leben gekommen ist. Meine frühe Kindheit verbrachte ich im Haus meiner Großeltern. Im kühlen Flur des Hauses befand sich ein großer, schwarzer Telefonapparat mit Wählscheibe an der Wand. Dieser Apparat wurde öffentlich genutzt. Darauf wies ein Emailleschild am Gartentor hin. Mein Großvater war an Technik interessiert. „Man muss mindestens zwei Dinge im Leben können: Fotografieren und Autofahren.“ waren seine Worte. Ich war etwa 13 Jahre alt, als ich in seinem Bücherregal den „Radio-Amateur“ entdeckte.

Das Buch beschreibt sehr ausführlich die technische Entwicklung der Radio-Telefonie der 1920er Jahre. Es vermittelte den Eindruck, dass Jedermann sich eine Sender- oder Empfangsanlage selbst bauen könne. Ich konnte jedoch nichts damit anfangen. Mir fehlte das Grundlagenwissen und ich verstand die antiquierte Sprache des Buches nicht. In den meißten Kapiteln geht es darum, den Verlust von Informationen gering zu halten. Die besprochenen Phänomene hießen: Verzerrung, Eigenschwingung, Resonanz, Dämpfung, Empfindlichkeit, Lautstärke, u.a.

Ohne Apparatur verliere ich Informationen durch: Vergessen, Ignorieren, Vorenthalten, Verdrängen, Verwischen, u.a. Sind das vergleichbare Phänomene? Inzwischen sind Kommunikationsgeräte so leistungsfähig und allgegenwärtig, dass uns ein Überfluss an Informationen bereit steht. Kein Gerät bringt mehr, so wie damals, den Informationsverlust durch seine technische Bauart mit sich.

Informationen, die mit Geräten nicht übertragen werden können, verlieren an Bedeutung. Sie werden durch den Überfluss an Bild, Ton und Text verdrängt: Geruch, Berührung, Raumgefühl, alles was ich über eine Person erfahre, spüre, wenn ich ihr direkt gegenüber stehe.

Heute weiß ich im Grunde nichts darüber, wie mein Smartphone funktioniert, auch wenn ich ein paar modische Schlagworte wie „WiFi“ oder „Netz“ benutze. Plötzlich entdecke ich zahlreiche Geräte um mich herum, deren Funktion und Arbeitsweise ich nicht erklären kann. Auch dieser Laptop an dem ich gerade diesen Text tippe.

Gewinne ich neue Möglichkeiten oder mache ich mich abhängig durch diese Geräte? Sicher beides. Auf jeden Fall verändere ich mich dabei. Ich lasse mich verändern.